Digital Naiv oder Digital Native. Was ist der "richtige" Weg im und im Umgang mit dem Web 2.0 - und Puzzlesteine zu Essen, Fußball und mehr ...

Freitag, 22. Mai 2009

Wahljahr 2009 oder: Was ist das "wahre" Facebook für das Enterprise 2.0?

Vergleiche werden nur zu gerne benutzt. Sie illustrieren,sie pointieren. Das hat sich wohl auch Steve Ballmer jetzt auf dem Software Strategy Summit in Köln gedacht, als er Sharepoint als das Facebook für Unternehmen bezeichnet hat. Aber Vergleiche hinken manchmal. Vielleicht möchte Ballmer, dass Sharepoint das Facebook für Unternehmen wird. Funktional kann man daran derzeit viele Zweifel anmelden. Sharepoint fehlen viele Funktionen einer Social Software für den Unternehmenseinsatz. Diese sind nicht ausgereift oder es müssen Lösungen von Drittanbietern hinzugefügt werden, um Lücken zu schließen. Auf der Enterprise 2.0 Industry Conference, die vom 9. bis 12. Juni 2008 in Boston stattfand, stellten IBM und Microsoft ihre Social Computing-Plattformen vor. Im Rahmen eines dreistündigen Vergleichs zeigten Mitarbeiter beider Unternehmen auf, was als Standardfunktionen der jeweiligen Plattform verfügbar ist, welche Funktionalitäten über Partnerschaften mit anderen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden müssen und welche zukünftigen Entwicklungen beide Unternehmen in diesem Bereich planen. Teilnehmer, Berichterstatter und Branchenexperten waren sich anschließend einig: die IBM Lösung ist klar besser als Microsoft Sharepoint.

So what? Mr. Ballmer stört das nicht. Mit der ihm eigenen Chupze zieht er sehr plastische und marketingwirksame Vergleiche. Zugespitzt kann man sagen: Microsoft nennt alles, was mit Enterprise 2.0 zu tun hat, einfach mal Sharepoint. Lauschen Sie einer IBM Präsentation, so wird der klassische IBMer sein Angebot nicht einfach Lotus oder Connections nennen. Nein, er wird brav erläutern, dass dieses Modul Quickr heißt, dass jenes Modul Connections ist, und ja, diese Funktion fehlt noch, wird aber noch kommen oder es kostet x Leistungstage, diese Funktionen zu implementieren. Der "andere" Präsentator wird wahrscheinlich sagen: Es ist Sharepoint und alles geht. Die Vorgehensweise ist nicht neu - und auch nicht unerfolgreich. Ich erinnere mich daran, wie vor rund 15 Jahren bei einer großen Versicherung gesagt wurde, mit Microsoft Exchange könne man Dokumentenmanagement machen. Diese Versicherung hat das auch probiert und nach zwei bis drei Jahren dann ein Dokumentenmanagement-System eingeführt.

Guy Greese von der Burton Group hat in einem Blogeintrag die Unterschiede im Produkt-Marketing von IBM und Microsoft herausgearbeitet. Ich muss ihm zu großen Teilen Recht geben. Leider. Wir reden zu wenig über unsere Produkte und deren Stärken. Der Markt weiß nicht, wie gut sie eigentlich sind. Das gilt nicht nur, aber gerade auch für den Bereich Social Software. Social Software ist weit mehr als nur File Sharing à la Sharepoint. Lotus Connections ist eine der wohl derzeit komplettesten und leistungsfähigsten Unternehmensplattformen für Social Software. Dort sind viele wesentliche Web 2.0-Funktionen für den Unternehmenseinsatz integriert und "sicher" gemacht worden: Profile à la Xing, LinkedIn oder Facebook, Wikis, Blogs, Lesezeichen à la Delicious, Tag Clouds und Communities. Und LotusLive, das neue SaaS-Angebot der IBM, bietet diese Funktionen in der Cloud als Service für den unternehmensinternen und unternehmensübergreifenden Einsatz.

Und viel zu wenige Interessenten und Kunden wissen, dass Lotus Connections auch mit Sharepoint integriert werden kann, dass Connections mit Microsoft Office und Exchange/Outlook nahtlos läuft. Wir als Lotus-Brand und wir als IBM haben hier eine Menge Nachholbedarf, gerade auch solche Nachrichten in den Markt zu tragen. Die Sensibilität der Kunden steigt gerade jetzt: Es müssen nicht nur Kosten eingespart werden. Ich nehme daneben ein immer stärker werdendes Misstrauen im Markt wahr, sich von einem Anbieter zu abhängig zu machen und in eine nicht enden wollende Update-Spirale zu kommen: Ja, wenn Du, lieber Kunde, diese Funktionen haben willst, musst Du jene Office-Version und jene Datenbankversion kaufen. Ja, natürlich wird es immer Abhängigkeiten zwischen Release-Ständen geben, aber der Grad der Abhängigkeit ist hier entscheidend. Wenn Office-, Betriebssystem-, Datenbank-, Mail- und nun auch noch Kommunikationsfunktionen derart - und wohl auch sehr bewusst - voneinander abhängig gemacht werden, dass sie den Kunden zu Updates zwingen, wird dieser misstrauisch. Und dieses Misstrauen der Kunden ist mehr als berechtigt.

Monopolartigen Stellungen sollte man kritisch gegenüber stehen. Wer will sich wirklich einem Lieferanten nahezu komplett ausliefern? Genau darum geht es. Als IT-Leiter will ich auch weiterhin eine Wahl haben. Lotus ist eine solche, eine sehr valide Wahl. Die Produkte gerade in den Bereichen Social Software, Unified Communications & Collaboration und Portal sind gut und im Markt führend. Sie laufen in Microsoft-Umgebungen. Und sie laufen auch in "offenen" Umgebungen, mit Linux- und Mac-Clients und diversen Backends.

2009 ist Wahljahr. Im Bund, in Ländern und Kommunen. Man hat die Erst- und Zweitstimme. Ich persönlich bin überzeugter Wechselwähler und gegen die zu große Dominanz einer Partei. Und auch Sie haben die Wahl. Und das ist gut so.

P.S. Dieser Blogbeitrag ist ein persönlicher Kommentar und keine offizielle Stellungnahme der IBM.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen