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Sonntag, 26. Juli 2009

Migration? Warum - und die Zukunft von E-Mail

Nun gibt es also auch ein Migrationsangebot, um Lotus Notes nach Google Apps zu migrieren. Nachdem Google dies schon für Microsoft-Produkte angekündigt hat, zieht man nun auch für Notes nach. Mir dem Migrationstool könne man E-Mails, Kalender- und Adresseinträge migrieren.

Aber so what? Wo liegt heute der Nutzen in der Migration eines E-Mail Systems?

Ich will von einem Fat Client auf einen Thin Client wechseln? Das können Kunden der IBM auch jetzt schon tun, indem sie die den Lotus iNotes, den Webclient für Notes, oder das neue LotusLive Webmail-Angebot nutzen. Lotus iNotes ist dabei die Option, mit der man Notes als E-Mail- und Anwendungs-Plattform beibehält.

Ich möchte meine E-Mail Lösung hosten lassen und nicht mehr selbst betreiben? Auch hier gibt es verschiedene Angebote der IBM. Unternehmen können Lotus Notes von IBM hosten lassen oder eben wiederum das neue LotusLive SaaS-Angebot nutzen.

Oder ich möchte E-Mail als Software as a Service benutzen? Hier bietet IBM unterdessen LotusLive iNotes, eine Webmail-Lösung an, die auf der zugekauften E-Mail-Technologie von Outblaze basiert. Outblaze bietet seit Jahren einen Webmail-Service in jeweils angepasster Umgebung für verschiedene andere Dienstleister, Hochschulen und Unternehmen an und soll – so die Daten von Januar 2009 - 40 Millionen Benutzer mit 480.000 Domains unterstützen.

LotusLive iNotes hat dabei technologisch nichts mit dem klassischen Lotus Notes-Angebot zu tun, sondern ist eine komplett unabhängige Webmail-Lösung. Und nein, LotusLive iNotes wird nicht Lotus Notes ersetzen, wie schon kolportiert wurde. Es ist eine weitere Option, die IBM seinen Kunden im Bereich E-Mail bietet. Die Namensgebung für die Produkte ist leider etwas verwirrend, deshalb nochmals hier eine Klarstellung:

  • Lotus Notes/Domino ist die klassische E-Mail- und Anwendungsplattform der IBM und bezeichnet auch den Thick Client.
  • Lotus iNotes ist der Web Client für Lotus Notes.
  • LotusLive Notes ist das Angebot, die Lotus Notes-Infrastruktur von IBM hosten zu lassen.
  • LotusLive iNotes ist das neue Webmail-Angebot der IBM, das komplett unabhängig von Lotus Notes ist.

Doch zurück zum Thema Migrationsangebot von Google. Solche Migrationsangebote vernachlässigen in hohem Maße das Thema Migration von Notes-Anwendungen. Lotus Notes/Domino ist nicht nur eine E-Mail-Lösung, sondern war auch immer eine Plattform für Anwendungen, von der Notes-basierenden CRM-Lösung bis zu Projektteamräumen. E-Mail ist vergleichsweise einfach zu migrieren. Anwendungen und Anwendungslogik sind es in aller Regel nicht. Hier bedeutet Migration meist, komplett neu entwickeln, also entsprechende Investitionen tätigen. Und das gilt für Google Apps ebenso wie für eine potentielle Migration auf Sharepoint. (Von IBM gibt es übrigens ein White Paper, in dem Google Apps und Lotus Live Engage, die neue cloud-basierte Collaboration-Lösung der IBM verglichen wird, ein Vergleich also, der über E-Mail hinausgeht.)

Zudem gibt es kaum Gründe, Notes-Anwendungen zu migrieren. Im Gegenteil. Notes erlebt eine erneute Blüte und Renaissance im Bereich Anwendungsentwickung. Technologisch wurde eine Menge getan, um attraktive Web 2.0-alike Anwendungen auf Basis Lotus Notes entwickeln zu können. Hier sei nur das Stichwort XPages genannt, das Ed Brill in seinem Blog kommentiert.

Gerade auch die Analysten sehen Notes wieder vorne. In der aktuellen Gartneranalyse von Matt Cain vom Juni 09 „Beyond E-Mail: Does E-Mail Have a Future, and Why Should You Care?“ wird Lotus Notes und die auf Eclipse basierende Architektur überaus positiv bewertet: „E-Mail braucht eine Plug-in Architektur, um Generationswechsel zu überleben. Die Zukunft von E-Mail ist … Atemzug … Lotus Notes?"

Cain weist insbesondere darauf hin, dass mit Lotus Notes Collaboration-Lösungen entwickelt werden können, die Kommunikations- und Collaboration-Funktionen kontextsensitiv zur Verfügung stellen. Fazit: Lotus Notes ist weiter state-of-the-art, vielleicht heute mehr denn je, um Lösungen „Beyond E-Mail“ und „Beyond Office“ zu bauen. Wo ist also der Business Case für eine Migration?

Darauf verweist auch Bill Pray von der Burton Group, der auf Zdnet.de zitiert werden: "Die Leute von Google müssen der Zielgruppe, den Unternehmenskunden von IBM, klar machen, dass sie die Besten sind, wenn es darum geht, die Probleme von SaaS-Mail zu lösen - zum Beispiel Sicherheit, Compliance, gesetzliche Vorschriften, Transparenz, Datenhaltung, Bandbreite, Administration und Provisioning.“ Schön, dass wenigstens die Kollegen von Zdnet nicht platt die Google-Mitteilung abgedruckt haben, sondern im Sinne ausgewogener Berichterstattung auch unabhängige Perspektiven eingebracht haben. Den Originalkommentar der Burton Group finden Sie hier.

1 Kommentar:

  1. Hier noch ein Statement von Matt Cain von Gartner zum Thema Migration:

    "Complex Domino applications require a complete rewrite to move to an alternative platform. It is indeed a stretch to think that Domino applications will be converted to Google App applications anytime soon."

    http://www.networkworld.com/news/2009/071409-google-lotus-notes.html?t51hb

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