Digital Naiv oder Digital Native. Was ist der "richtige" Weg im und im Umgang mit dem Web 2.0 - und Puzzlesteine zu Essen, Fußball und mehr ...

Montag, 24. August 2009

Web 2.0 im Unternehmen: Mehr als nur den Ausschaltknopf kennen

Ben Schwan hat in der Wirtschaftswoche einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema Kommunikationsverhalten unter dem Titel "Einfach mal abschalten" veröffentlicht. Er geht auf die Informationsflut ein, die heute auf den normalen Benutzer einprasseln kann. Ich spreche hier bewusst von "kann", denn ich glaube die Art, wie Informationen konsumiert werden, ist einerseits oft noch eine Generationsfrage, andererseits eine Frage, wer welche Medien benutzt, Typische Szenen zuhause: Meine Frau und ich sitzen auf dem Sofa oder Balkon. Sie hat eine Zeitschrift, Kopien oder ein Buch in der Hand, ich den Macbook auf dem Schoss. Typischer Satz: "Du hängst ja schon wieder (oder immer noch) vor der Kiste". Sie holt sich Ihre Informationen größtenteils in gedruckter Form. Ich beziehe meine Informationen unterdessen weitgehend über das Netz, in hohem Maße per RSS Feeds.

RSS-Feed ist ein weiteres gutes Stichwort. Vor einigen Monaten war ich mit dem Kollegen Thorsten Zoerner auf einem Termin. Dabei ging es um Online Communities und der Funktionen. Wir haben dort Lotus Connections vorgestellt und ich habe erzählt, dass man Blogeinträge und anderen Infos per RSS Feed abonnieren, sich im E-Mail Programm oder im News Reader anzeigen lassen kann. Es kam von einem anwesenden Manager die Frage: "Was sind denn RSS Feeds?"

Was will ich damit sagen: Wir sollten bei weitem nicht überschätzen, wie weit Web 2.0 Tools und Kanäle verbreitet sind. Viele Baby Boomer (und nicht nur die) sind noch lange nicht im Web 2.0 und man kann sich durchaus die Frage stellen, ob sie jemals dort ankommen werden. Überträgt man diese Beobachtung auf die Einführung von Web 2.0 Tools im Unternehmen, auf Enterprise 2.0 Projekte, so wird deutlich,wie sorgfältig Anwender aller Generationen an Web 2.0 Funktionen herangeführt werden müssen. Viele leben heute immer noch maximal "in der Inbox", im E-Mail-Postgang und sind weit von "Thinking outside the Inbox" entfernt.


Und natürlich hat Ben Schwan mit vielen seiner Aussagen absolut Recht; Es besteht die Gefahr zum Informationsjunkie zu werden. 300 - 400 RSS Einträge pro Tag sind einfach nicht zu konsumieren, selbst bei bestem Quer- und Schnelllesen. Der Ausschalter an Computer, Smart Phone hat wie schon zu Zeiten des Fernsehens seine Berechtigung. Ja, und auch der Versuch, unterschiedliche Informationskanäle gleichzeitig zu konsumieren, ist extrem fragwürdig. Bei einer solchen Informationsüberreizung ist nur eine partielle Wahrnehmung von Informationen möglich.

Hier stelle ich aber fest, dass man sich das antrainiert. Genau wie ich mir vor Jahren das Schnell- und Querlesen angewöhnt habe (böse Zungen sprechen von oberflächlich lesen), so beobachte ich jetzt eine selektive Wahrnehmung, wenn ich meine Tweets oder RSS Feeds durchgehe: Der Blick für den Informationsnugget, das mich interessiert. Und nein, ich will gar nicht wissen, was mir vielleicht durch die Lappen geht.


Doch hier erneut Stop: Wieder sollten wir nicht vom Informationsjunkie ausgehen und an die "normalen" Anwender - welcher Generation auch immer - denken. In der privaten Nutzung wird er meist mit den neuen Werkzeugen alleine gelassen und macht via "learning bei doing" seine Fehler. Man denke nur an die Erfahrungen mit E-Mail Spam und Viren, die viele Anwender privat leidvoll gemacht haben und wohl noch machen. Doch auch im Beruf, wird der Umgang mit E-mail selten trainiert. Welches Unternehmen weist seine Anwender in die Benutzung von E-Mail ein, damit E-Mail korrekt und effizient genutzt wird? Auch E-Mail kann einen ROI haben ...

Noch dringlicher ist es, die Einführung neuer Web 2.0 Tools im Unternehmen organisatorisch zu begleiten. Ich korrigiere mich, nicht zu begleiten sondern zu führen. Bei Web 2.0 im Unternehmen soll(te) ein ROI angestrebt werden. Die Einsatzgebiete gehören identifiziert, die Anwender in der Einführung begleitet und trainiert. Bei einem Enterprise 2.0 Projekt geht es nur sekundär um Technik, primär um möglichst nachvollziehbaren Nutzen und Arbeitserleichterung für die Anwender.

Posted via email from stefan63's posterous

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