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Samstag, 23. Januar 2010

Wir Kinder der Generation Windows – Mein persönliche Beziehung zu Microsoft - Rück- und Ausblick

Es gibt die Generation X, es gibt die Generation Y, die Digital Immigrants und Digital Natives – und es gibt die Generation Windows. Zu letzterer könnte ich mich zählen. Ich erinnere mich an Windows 2.1. Ich erinnere mich, wie ich Windows 2.1 installiert und mit GEM von Digital Research (wer kennt das noch) verglichen habe. Damals habe ich glaube ich für ein Computer Magazin einen Vergleich geschrieben. Und ratet einmal, was damals leistungsfähiger war.

Ok, nun ist mein Alter fast raus und ich kann mich noch weiter outen. Ich war als Business Partner beim Launch von Windows 3.0 in München dabei und habe damals ein CAD Programm auf Basis Windows vorgestellt. Das muss Mitte 1991 gewesen sein. Die Kartons wurden im offenen BMW in den Veranstaltungssaal gefahren. Es herrschte Begeisterung und Aufbruchstimmung, die auch damals typich war für den Partnerstand von Microsoft auf den CeBITs.

Und da sind wir auch beim entscheidenden Grund, warum sich Windows durchgesetzt hat. Microsoft hat es im Gegensatz zum Wettbewerb verstanden, eine Vielzahl von Partner zu gewinnen, die Anwendungen auf Basis Windows gebaut haben. Ich war damals bei einem Windows-Distributor und erinnere mich noch an einige der Programme, deren Vertretung wir in Deutschland hatten: ADS Windows Workstation, ein Netzwerk-Tool, mit dem man die Menüführung aller Workstations steuern konnte, damals meistens in Novell-Netzen. An NetMagic, eine grafische Oberfläche zur Administration von Netware. An Roykore ABC Flowcharter. An Packrat, einen Personal Information Manager, der auch schon netzwerkfähig war. Und so weiter und so fort.

Diese Programmvielfalt war der Grund, warum Windows sich durchsetzte. Der Windows-Anwendungskatalog wuchs von Jahr zu Jahr. ISV's war für Microsoft ein wichtiges Wort: Independant Software Vendors. Unabhängige Partner, die Lösungen bauten, und die von Microsoft durch aus gepampert wurden. So entstanden Killeranwendungen wie Lotus Notes, das als eines der ersten Windows-Programme auf den Markt kam.

IBM schaffte es mit OS/2 nicht, eine vergleichbare Auswahl an Programmen zu bieten. Ich erinnere mich, als Journalist zur Präsentation von Office Vision unter OS/2 auf das Dachgeschoss in Halle 1 eingeladen worden zu sein. Wir waren begeistert: Drag and drop und vieles mehr. Aber für OS/2 wurden bei weitem nicht so viele Anwendungen von Partnern entwickelt. Und ich glaube auch, daß die Hardware-Anforderungen im Vergleich zu Windows damals höher waren.

Der Markt für Windows-Anwendungen war duch Wettbewerb und Auswahl gekennzeichnet. Microsoft hatte bei weitem noch nicht alle Anwendungsfelder abgedeckt. Es gab cc:mail, MS-Mail und WordPerfect Office. Es gab – ich glaube als erste - Windows-Textverarbeitung Amí (damals noch nicht bei Lotus), WordPerfect und dann irgendwann MS-Word. Lotus 1-2-3 dominierte den Markt für Tabellenkalkulationen und wurde dann unaufhaltsam durch Microsoft Excel „besiegt“ und abgelöst.

Microsoft deckte nach und nach mehr Anwendungsgebiete selbst ab. Das beste Beispiel ist Microsoft Office. Doch noch hatten die Partner genug Spielraum. 1996 kam dann wohl Microsoft Exchange als Nachfolger von MS-Mail auf den Markt. Und damals bin ich dann erstmals richtig in Wettbewerb mit Microsoft geraten. Unterdessen war ich bei einem Darmstädter Unternehmen für den Bereich Knowledge Management tätig und wir hatten für Deutchland die Vertriebsrechte für ein Dokumentenverwaltung namens PC DOCS.

PC DOCS war eng mit Microsoft Office integriert und man konnte direkt aus der Menüführung der MS-Produkte Dateien in PC DOCS ablegen und verschlagworten. Das war extrem cool, da die meisten deutschen Hersteller „nur“ Archivierungsprogramme anboten, sich also auf die Verwaltung gescannter Belege konzentrierten. Wir gewannen durchaus namhafte Kunden und wurden zu vielen großen Unternehmen zur Präsentation eingeladen, so auch zu einer namhaften Versicherung mit Sitz in München. Und dort kam es dann zum Wettbewerb mit Microsoft, denn Microsoft sagte der Versicherung, auch mit Exchange könne man Dokumentenverwaltung machen. Man setzte einen Business Partner daran, der Leistungstag auf Leistunsgtag versuchte, Exchange entsprechend umzubiegen. Das gelang dann doch nicht und die Versicherung kaufte dann irgendwann doch eine Dokumentenverwaltung. Leider nicht von mir.

Dies war mein persönliches Schlüsselerlebnis und meine Einstellung zu Microsoft änderte sich. Vorher noch überzeugter Partner von Microsoft, der das Gefühl hatte, auch als solcher behandelt zu werden, sah ich nun Unterschleissheim immer kritischer. Und es kam auch zu immer mehr Wettbewerbssituationen. Ich blieb in der Branche für Dokumentenmanagement und wurde Marketingleiter für FileNet in Zentral- und Osteuropa. FileNet war im HighEnd, doch auch hier postulierte Microsoft plötzlich, mit Sharepoint dies bieten zu können. Und nun bin ich durch die FileNet-Übernahme bei der IBM gelandet und unterdessen für das Marketing der Lotus-Produkte in Deutschland zuständig.

Microsoft hat sich seit dem Windows 3.0-Launch 1991 – was nun fast 20 Jahre her ist – extrem stark im Markt positioniert. Windows dominiert den Markt für Betriebssysteme und im Office-Bereich gibt es Microsoft Office. Doch mir scheint, daß wir nun an einer Zeitenwende angekommen sind. Nein, ich glaube nicht, daß Windows als Betriebssystem von heute auf morgen verschwinden wird. Ich sehe das in meiner Familie. Man kennt es und benutzt es und hat eher Angst davor, ein anderes Betriebssystem zu versuchen. Der gemeine Anwender ist träge und benutzt erst einmal das, was sie kennen. Doch ich sehe auch immer mehr gerade aus der jungen Generation, die sich an Linux und den Mac herantrauen. Und wenn ich mir heute Linux-Oberflächen anschaue, so sind diese mindestens genauso komfortabel wie Windows. Mac OS ist aus meiner Sicht eh noch immer ungeschlagen in der Bedienung. Nun kommt Google mit einem eigenen Betriebssystem.

Times are a-changin', wie man im Browser-Markt sieht. Insbesondere Firefox hat dem Internet Explorer massiv Marktanteile abgenommen. Es geht also doch. Und nun gibt es Chrome, Safari und andere als Varianten. Das macht Mut, gerade auch für das Thema Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentation. Es gibt auch dort Alternativen und die Chance zum Wandel. OpenOffice etabliert sich immer dazu und auch hier nutzen viele junge Leute diese Option. Oder sie gehen auf Google (obwohl ich zu dem Hersteller wegen der Datensicherheitsfragen eine ebenfalls überaus kritische Meinung habe). IBM hat Lotus Symphony herausgebracht, für das Unternehmen nichts zahlen müssen (nur Hotline wenn gewünscht), und viele schauen sich derzeit Symphony als Alternative an und warten auf die nächste Version.

Der Markt wandelt sich und es sieht derzeit so aus, als ob es wieder zu mehr Vielfalt kommt. Das gilt für das Thema Office und Betriebssystem. Das gilt aber auch für andere Bereiche, denn Software-as-a-service-Angebote in der Cloud und immer mehr leistungsfähige Anwendungen, die im Browser laufen, wirken als Katalysatoren. Zumindest einmal wird es zu wesentlich stärkerem Wettbewerb kommen. Und darauf freue ich mich, denn eine zu starke Dominanz (und vielleicht auch Arroganz) eines Herstellers ist nie gut. Ich bevorzuge es, zwischen mehreren Optionen wählen zu können.

Angeregt zu diesem Blog-Beitrag hat mich das Buch Glossen 1997 – 2008 von Jörg Allmann – dazu einmal später mehr hier – und der folgende Beitrag auf Read-Write-Web, der unter dem Titel IBM vs. Microsoft: Will the Open Web Change the Game? erschienen ist.

Posted via email from Digital naiv - Stefan63's Posterous

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