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Donnerstag, 11. Februar 2010

ENISA stellt 17 Regeln für soziale mobile Netze auf (und warnt) - Vorsicht ist gut, bewußter Umgang ist besser

Über einen Artikel auf Chip Online bin ich darauf aufmerksam geworden: ENISA, die European Network and Information Security Agency, die für EU Institutionen und Mitgliedstaaten arbeitet, hat „17 goldene Regeln für mobile soziale Netze“ veröffentlicht. Tenor: Man warnt (natürlich). Vor allem zwei Punkte sind mit aufgestossen: ENISA empfiehlt die Trennung von privaten und geschäftlichen sozialen Netzwerken. Aus meiner Erfahrung heraus gesprochen, geht das irgendwann nicht mehr.

Ich bin genau mit dieser Prämisse gestartet. XING ist mein geschäftliches Netzwerk, Facebook mein privates. Doch bald haben sich die Grenzen verwischt und waren nicht mehr einzuhalten. Ich konnte (und wollte) meinen Kontakten und Kollegen auf XING nicht verbieten, auch „privat“ auf Facebook mit mir Kontakt aufzunehmen. Oder hätte ich es den netten Kollegen verweigern sollen, mit denen ich mich durchaus auch privat treffe? Ähnliche Erfahrungen habe ich auch auf Twitter gemacht. Unterdessen versende ich auch unter meinem Berufs-Twitter-Account mal Witze und flapsige Bemerkungen.

Und die Pressemitteilung führt ein Beispiel auf, in der eine Fluglinie Mitarbeitern kündgte, die sich despektierlich über die Sauberkeit der Fluglinie geäußert hatten. Natürlich sträuben sich mir da die Nackenhaare, da ich ja seit einiger Zeit aktiv propagiere , daß Mitarbeiter aktiv in sozialen Netzen sein und durchaus über die Firma schreiben sollen. Aber sie sollen auch Regeln und Tipps an die Hand bekommen, was sie schreiben dürfen und was nicht. Das Stichwort heißt hier Social Media Guidelines und Aufklärung der Mitarbeiter.

Die zwei aufgeführten Beispiele halte ich zudem für sehr fragwürdig, da hier der gesunde Menschenverstand denjenigen, die diese Kommentare gepostet hatten, schon hätte sagen müssen, daß sie in Probleme kommen könnten. Und sie wären auch schon vor Facebook in Probleme gekommen, wenn sie solche Bemerkungen gegenüber Presse oder vor falschen Ohren in einer Kneipe gemacht hätten.

Es sind noch einige weitere Tipps, die ich für diskussionswürdig halte, so die Empfehlung nicht echte Namen sondern nur Nick Names zu verwenden. Ich denke, auch hier muß man differenzieren. Bei Aktivität im beruflichen Umfeld in sozialen Netzen halte ich den echten Namen für angebracht. Hier sollte man mit offenen Karten spielen.

Vorsicht in sozialen Netzen ist absolut notwendig, gerade auch auf mobilen Geräten. Aber mir sind diese Empfehlungen zu negativ und die Beispiele zu marktschreierisch. Ich stelle auch in meinem Freundeskreis Netzverweigerer fest, die sich wegen plakativer Mißbrauchsfälle ungerne oder nur sehr bedachtsam in sozialen Netzen und im Netz generell bewegen.

Vielleicht bin ich ja wirklich digital naiv, aber den in dem Report aufgeführten plakativen Negativbeispielen könnte man sicher viele, viele positive Beispiele entgegenstellen, wo soziale Netze Nutzen gestiftet haben (und stiften). Mir fehlt hier die Ausgewogenheit und Aufklärung, daß man mit bewußtem Umgang sich durchaus in (mobilen) sozialen Netzen sicher und nutzbringend bewegen kann. Und ich glaube fest daran, daß die Benutzer nicht um soziale Netze herumkommen werden, nicht im Beruf und auch nicht im privaten Umfeld. Deshalb: Warnen ist gut, den bewußten Umgang lehren ist besser. Na, vielleicht gelingt es uns ja, jemanden von ENISA zum Lotus JamCamp (#LJC) einzuladen. Ich halte die Thematik gerade auch unter dem Aspekt immer mehr mobile Smart Phones und mobiles Arbeiten für sehr relevant und diskussionswürdig.

Posted via web from Digital naiv - Stefan63's Posterous

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