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Sonntag, 2. Mai 2010

Flexible Arbeitszeit, flexibler Arbeitsplatz, flexible Arbeitsverträge und flexibles Privatleben – Offene Fragen zur Zukunft der Arbeitswelt

Das Lotus JamCamp und die darum verwobenen Diskussionen haben bei mir viele Gedanken rund um die Zukunft der Arbeit und den Arbeitsplatz der Zukunft nach oben gespült. Dabei geht es nicht um Technologie. Wie moderne Technologie meine Arbeit im Home Office und unterwegs perfekt unterstützen kann, erlebe ich täglich mit den Lotus-Tools, die wir in der IBM einsetzen. 
Vielmehr kommen mir andere Aspekte in den Sinn: Ich kann von zuhause arbeiten. Das ist akzeptiert und selbstverständlich. Ich muß genau wie die Kolleginnen und Kollegen meine Leistung bringen, aber keiner fragt danach, ob ich zwischendurch kurz einkaufen gehe oder den Rasen mähe. Solange die Arbeit erledigt wird und ich zu den vereinbarten Telefonkonferenzterminen da bin, ist Heimarbeit in der IBM absolut akzeptiert. 
Dem gegenüber steht die Erfahrung einer guten Freundin, die in der Personal und MarCom-Abteilung eines mittelständischen deutschen IT Unternehmens arbeitet. Sie hat sich vor einger Zeit einen Tag Home Office gegönnt (und dies auch mit ihrem Chef abgesprochen), um ein komplexeres Konzept auszuarbeiten, wofür sie gerne Ruhe haben wollte. Prompt rief dann der CEO, Gründer und patriarchalischer Führer des Unternehmens, bei ihr an und war pikiert, als er erfuhr, sie sei im Home Office. Die Konsequenz: Sie soll nun doch bitte im Büro arbeiten. Wenn nötig, bekäme sie halt ein Einzelbüro. 
Flexibilisierung des Arbeitsplatzes und der Arbeitszeiten sind eben noch nicht überall akzeptiert. Und es ist klar, daß nicht jeder Arbeitsplatz aufgrund der Tätigkeit flexibel sein kann. Jedoch ist das aus meiner Sicht viel öfter möglich als heute praktiziert. Wenn wir von Flexibilisierung der Arbeitszeit sprechen, müssen wir auch das Thema Teilzeitarbeit behandeln. Frauen in der Teilzeitfalle, titelt Melanie Amann in der FAZ, und schreibt „Chef wird nur, wer immer da ist.“. Sie zitiert die IAB-Forscherin Corinna Kleinert: 
„In Führungsetagen bleibt Teilzeit ein Randphänomen und reine Frauensache.“
Die Diskussion um die Flexibilisierung von Arbeit geht noch weiter. Das wurde mir nochmals und insbesondere bei der Diskussion mit Palomar5 auf der republica klar. Viele gerade jüngere Leute können sich durchaus vorstellen, als Freelancer mal für diesen Arbeitgeber, mal für jenen zu arbeiten. Das jahrzehntealte Paradigma „Ich arbeite ein Leben lang für einen Arbeitgeber“ ist am Wanken. Jüngere Leute können es sich vorstellen, viele Arbeitgeber würden es sich wahrscheinlich wünschen. 
Aber auch hier gibt es valide Bedenken und Befürchtungen. Die Frage der sozialen Absicherung kann ud darf nicht vernachlässigt werden. Bieten Teilzeitverträge die notwendige Absicherung, wenn ein Haus abbezahlt oder das Studium der Tochter bezahlt werden muß? Wie ist die soziale Absicherung, wenn solche Modelle vermehrt Realität werden? Auch hier sehe ich einen Widerspruch, Risiko und Chance. 
Und noch eine weitere Flexibilisierung kommt mir in den Sinn: Bei vielen verschwimmen die Grenzen von Arbeits- und Privatleben. Wenn ich dieses Posting an einem Sonntag schreibe, ist es dann Arbeit oder ist es Privatvergnügen, weil mich das Thema umtreibt? Diese Diskussion habe ich unter anderem auf der Tagung der Hochschule St. Gallen geführt, als einige Teilnehmer schockiert waren, daß ich viele Blogbeiträge eben am Wochenende schreibe. Dies ist nun in meinem Fall eine freiwillige Knechtung. Was ist aber nun mit dem Fluch der ständigen Erreichbarkeit, wie es u.a. der Spiegel schreibt: 
Inzwischen entpuppt sich die totale Erreichbarkeit für immer mehr Menschen als Bürde, weil die Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben nicht mehr gelingt.
Also auch hier die Frage, wie ich Flexibilität, die mir moderne Technologien wie das Mobiltelefon oder immerwährender Netzzugang bieten, organisiere, wie ich mein Arbeitsleben organisiere, meine Rechte als Arbeitnehmer wahre, aber auch die neuen Chancen nutze.
Jetzt fehlt mir nur noch die Visualisierung der neuen Flexibiltät. Hier erste Versuche:
Viele offene Fragen, die mich sicher noch weiter intensiv beschäftigen werden, auch jenseits des Lotus JamCamps.

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