Digital Naiv oder Digital Native. Was ist der "richtige" Weg im und im Umgang mit dem Web 2.0 - und Puzzlesteine zu Essen, Fußball und mehr ...

Montag, 24. September 2012

[DE] Für die heutige Arbeit unverzichtbar: Informationen filtern, Kontext herstellen

Bei einer Vorstandspräsentation bei einem deutschen Mittelständler zum Thema Von Social Media zum Social Business habe ich dieser Tage dieses Video zur Einführung gezeigt. Die Datenmengen sind enorm: 100 Millionen Tweets werden pro Tag verschickt, 35 Stunden Video in jeder Minute auf YouTube geladen, 6,1 Billionen Textnachrichten wurden 2011 gesendet und 247 Millarden E-Mails gingen durch das Netz. 80 % davon sind Spam und Viren. Die Informationsflut ist im wahrsten Sinne des Wortes überwältigend. Nach diesem Video habe ich live Facebook, Twitter, Xing und YouTube demonstriert, bevor ich den unternehmensinternen Einsatz sozialer Kanäle in der IBM gezeigt habe. In der IBM wie auch im Web 2.0 geht die Kommunikation über viel mehr Kanäle als es noch vor Jahren der Fall war. E-Mail wird dabei als Kanal nicht abgelöst. Es kommen einfach weitere Kanäle hinzu, über die Nachrichten “gepushed” werden: Microblogs, Instant Messaging, SMSe, Mails, die über soziale Netzwerke wie Xing, LinkedIn oder Facebook verschickt werden (und die weitere Posteingänge erzeugen).
Hinzu kommt der Strom von maximal 140 Zeichen langen Meldungen auf Twitter, die Facebook-Wall, auf der stetig neue Infos geteilt werden, der Xing-Nachrichtenstrom und so weiter. Dann noch Blogs, Wikis und Communities, in denen auch latent neue Informationen hinzukommen. Die Vorstände waren beeindruckt, ja vielleicht sogar abgeschreckt durch diese neue Welt der Informations- und Kanalüberflutung. “Wer liest denn das alles” oder “Können Sie das denn alles lesen” war die logische Frage. Ich habe dann gezeigt, wie ich die externen sozialen Kanäle mit Hilfe von Hootsuite verfolge, bestimmte “Hashtags” monitore und auch den Versand von Nachrichten in diesen Medien steuere. “Ja, aber das macht der normale Jugendliche nicht so. Sie machen das ja professionell.”, war die Reaktion. Das mag sein, aber ich habe den Vorständen mit auf den Weg gegeben, dass die Welt der sozialen Kanäle mit ihrer Informationsflut und -vielfalt nicht aufzuhalten ist. Diese Flut zu bewältigen, in der Lage zu sein, die wichtigen Informationen herauszufiltern, ist eine wichtige Fähigkeit und Kompetenz, die man heutzutage erlernen muss, privat, aber auch gerade am Arbeitsplatz.
Mein Kollege und ich haben den Vorständen dann auch die IBM-interne Arbeitsweise gezeigt, demonstriert, wie wir in Echtzeit mit IBM Sametime chatten oder im internen sozialen Netzwerk IBM Connections Informationen teilen und Projekte steuern. Dabei zeigten wir einige IBM-interne Communities. Der Kollege ist Mitglied in rund 20 Communities. Ich habe es eben einmal geprüft und festgestellt, dass ich in 88 Communities eingetragen bin. [Kleine Randbemerkung: Déja vu? Sicherlich, in den Glanzzeiten von Lotus Notes haben wir erlebt, wie für jedes Thema eine Notes-Datenbank erstellt wurde. Und den Kollegen von Microsoft geht es mit Sharepoint auch nicht anders. Natürlich stellt sich wieder die Frage, ob all diese Communities, Aktivitäten und Foren wirklich notwendig sind, oder ob man nicht besser einige Informationstöpfe zusammenfassen sollte. Doch genau das ist keine Frage des zugrunde liegenden Systems, sondern eine organisatorische Entscheidung, die die Software nur möglichst optimal unterstützen sollte. Nicht umsonst haben wir in IBM Connections beispielsweise Sub-Communities eingeführt.]
Natürlich wurde auch hier von den Vorständen die Frage gestellt, wie wir denn bei allen Communities, Blogs und Foren die Übersicht behalten. Eine nützliche Funktion ist hierfür die tägliche Zusammenfassung der Aktivitäten einer Community (oder eines Forum, eines Blogs, Wikis etc.), die man sich - sinnigerweise per E-Mail - zuschicken lassen kann. Natürlich lasse ich mir diese Zusammenfassung nicht für alle 88 Communities, Blogs etc. zuschicken. Ich bekomme sie nur für einen Bruchteil, nur von denen, die für meine Arbeit tagesaktuell wichtig sind. Alle anderen Communities und Informationsquellen recherchiere ich dann, wenn es nötig ist. Man muß und sollte sich nicht immer alle Informationen nach dem Push-Prinzip zusenden lassen. Oft ist das Pull-Prinzip wesentlich sinnvoller.
Hier sind wir immer noch beim möglichst intelligenten Umgang mit der Informationsflut, bei persönlichen Arbeits- und Filtertechniken, mit denen man diese Flut bewältigt und bei der Notwendigkeit, diese Techniken beigebracht zu bekommen. Aber in Zeiten von Watson können und sollten wir auch systemtechnische Hilfe an- und einfordern. Die IT-Systeme müssen uns nicht nur helfen, durch die Informationsfluten zu navigieren und Informationen leicht zu finden. Sie sollten auch Informationen in einen Kontext stellen. Was meine ich damit? Wenn ich mir in IBM Connections einen Blogbeitrag ansehe, schlägt mir die Software in der Seitenleiste automatisch ähnliche Beiträge vor. Ich finde dort auch Kollegen, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, identifiziere als über das System Experten. IBM Connections stellt so über Social Analytics genau wie oben gefordert Kontext her.
Solche Funktionalitäten zeigen, wie sich Social Software und Analytics sinnvoll ergänzen können. Sie sind auch ein deutliches, funktionales Differenzierungsmerkmal des IBM Angebots zu den Marktbegleitern. Hat man dann Technologien wie Watson im Kopf, so lässt sich erahnen, wie viel an dieser Stelle noch zu erwarten ist. Analytische Funktionen werden in Zeiten, in denen man oft keine/n Sekretär/in mehr hat, der die Post vorsortiert, zum neuen Assistenten, der bei der Bewältigung der Arbeit hilft. Das entbindet nicht davon, selbst zu denken. Jedoch kann und sollte Software wie IBM Connections dabei untersützen, besser und schneller zu entscheiden.

Kommentare: